Wird Plastikgeld für den Verbraucher teurer?

Bloged in News von admin Dienstag Januar 29, 2008

Stellen Sie sich vor, Sie sind Unternehmer eines Geschäfts, welches Kleidung oder Haushaltswaren verkauft. Wenn Sie erfolgreich etwas verkauft haben, zahlt Ihr Kunde daraufhin mit seiner Kreditkarte oder bar. Entscheidet sich der Kunde für die Zahlung per Plastikgeld, wird das verkäuferische Talent des Verkäufers nicht voll belohnt. Denn, was viele nicht wissen, die Verkäufer müssen einen bestimmten Teil ihrer Einnahmen abgeben, wenn der Kunde mit seiner Kreditkarte zahlt. Dieser Betrag fällt nicht an, wenn die Kunden bar zahlen würden. Zwar nimmt die Zahlung per Plastikgeld stetig zu, doch die Gewinnspanne der Verkäufer wird immer kleiner. Das heißt nicht, dass Kreditkarten überall akzeptiert werden. So zeigt der Blog OUTBACK AFRIKA über eine Reise in Afrika, dass es weltweit immer wieder vorkommt, dass die Kreditkarte ein nicht gern gesehenes Zahlungsmittel ist.

Die Banken verdienen bei jedem Einsatz der Kreditkarte bis zu zwei Prozent des Verkaufswertes immer mit – dies ist die Gebühr für jede Kreditkartenzahlung. Bei Maestro-Karten oder EC-Karten ist der Anteil der Gebühr etwas niedriger. Wie im FinanzBlog zu lesen ist, werden in Zukunft die EC-Zahlungsfunktion und die Maestro-Zusatzfunktion voneinander getrennt. Das heißt, dass die Banken ihre Geldkarten nur mit einer dieser Funktionen anbieten werden. Somit entstehen für Kunden günstigere Möglichkeiten, EC-Karten zu erwerben.
Diese Gebühren werden über die allgemeinen Jahresgebühren mit den Banken verrechnet. Ein Großteil dieser Gebühren geht als Interbanken-Entgeld an die Banken, die die Karte des Kunden herausgegeben haben. Kunde und Händler teilen sich also die Gebühren bisher.

Jetzt ändert sich dieser Sachverhalt. Die Banken dürfen ihren Händlern diese Gebühren nicht mehr berechnen. Denn die Händler selbst vermuten eine Gebührenabsprache auf ihre Kosten unter den Banken. Somit gingen sie vor die Europäische Kommission und erhielten teilweise recht. Diese entschied, dass innerhalb von sechs Monaten die Gebühren der Mastercard beseitigt werden müssen. Das Interbanken-Entgeld ist bei der grenzüberschreitenden Nutzung von Mastercards rechtswidrig. Auch die Kreditkartengesellschaft Visa kann dieses Jahr ins Visier der Europäischen Kommission rutschen.
Nun freuen sich die Händler und Herr Quinn, der Präsident des Dachverbandes der europäischen Groß- und Einzelhändler: Die Kunden in Europa werden niedrigere Preise zahlen müssen. Dagegen steht allerdings die Aussage von Karstadt: Der Konzern plant keine Preissenkungen, da Karstadt überwiegend deutsche Kunden hat. Für deutsche Kunden, das heißt für inländische Umsätze, bleibt diese Gebühr bei Kreditkartenzahlungen erhalten. Leider spricht auch die Erfahrung aus Australien dagegen: Dort hat die Regierung diese Gebühr per Gesetz gesenkt. Anschließende Preissenkungen fanden nicht statt.
Wenn die Verkäufer ihre Preise senken, bedeutet dies nicht, dass die Endkunden mehr Geld in ihrer Tasche haben werden. Die Bank, die dem Kunden die Karten ausgibt, erhält nach der neuen Regelung für Mastercard das Interbanken-Entgeld nicht mehr. Dieses wird sie wohl auf die Jahresgebühren bei den Kunden wieder draufschlagen und so ihre Verluste ausgleichen. Die technischen Systeme, die den bargeldlosen Geldfluss erst möglich machen, kosten Geld. Diese Kosten tragen die Banken. Genau dies ist in Australien passiert. Die Gebühren für Kreditkarten sind gestiegen. Doch hier in Europa werden immer mehr kostenlose Kreditkarten auf den Markt gebracht. Wenn Kreditgesellschaften nun ihre Gebühren erhöhen würden, dann haben sie einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil gegenüber den kostenlos angebotenen Kreditkarten.

Die europäischen Kunden haben also eine kleine Chance, dass die Gebühren nicht erhöht werden. Deshalb bleiben wir gespannt, wie sich der Markt in Europa auf diesem Gebiet entwickeln wird, und wie sich die Europäische Kommission für die Händlergebühren bei der Kreditkartengesellschaft Visa entscheiden wird.

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