Die Commerzbank nutzt den staatlichen Rettungsfonds

Bloged in News von admin Donnerstag November 6, 2008

Über den Sonderfonds zur Finanzmarktstabilisierung werden dem Institut 8,2 Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage zur Verfügung gestellt. Zusätzlich erhält die Commerzbank bis 2012 Garantien über 15 Milliarden Euro für die Emission von Anleihen. Diese stille Beteiligung des Staates stärkt die Kapitaldecke der Bank, ohne dass unternehmerische Entscheidungen direkt vom Staat beeinflusst werden können. Selbiges berichtete auch schon „DERWESTEN“.

Die zweitgrößte deutsche Privatbank erhöht durch diesen Kapitalzuschuss ihre Kernkapitalquote von 7,6 auf 11,2 Prozent. Damit liegt sie leicht über der Kernkapitalquote der Deutschen Bank, deren Chef Joseph Ackermann staatliche Hilfen vorerst kategorisch ablehnt.

Die Commerzbank peilt künftig eine Kernkapitalquote von bis zu neun (statt bisher sieben bis acht) Prozent an. Dies sei eine Reaktion auf das international veränderte Wettbewerbsumfeld, sagte Martin Blessing, Vorstandssprecher der Commerzbank.

Bei vielen Banken in den USA und Großbritannien war durch die Beteiligung des Staates eine deutliche Erhöhung der Eigenkapitalquote erreicht worden.

Martin Blessing betonte, dass die Nutzung des Rettungspaketes die internationale Wettbewerbsfähigkeit absichere und die Bank gestärkt aus der Finanzkrise hervorgehen kann.

Manager und Aktionäre müssen allerdings auch eine Gegenleistung für die staatliche Unterstützung bringen:
In den Jahren 2008 und 2009 dürfen von der Bank keine Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden, Vorstandschef Blessings Bezüge sind auf maximal 500.000 Euro begrenzt (bisher hatte er ein Fixgehalt von 760.000 Euro) und Bonuszahlungen für Vorstandmitglieder wird es bis Ende 2009 nicht geben.

Zwei weitere Auflagen sind die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten und das Reduzieren des Investmentbankings nach dem Kauf der Deutschen Bank. Die finanzielle Unterstützung durch den Staat kostet die Commerzbank Zinsen in Höhe von 400 bis 500 Mio. Euro pro Jahr. Blessing sagte allerdings auch, dass die Bank die bis 2012 laufenden Garantien voraussichtlich gar nicht benötigen werde.

Wie schon der spekulantenblog schrieb,  rutschte die Commerzbank tief in die roten Zahlen. Im dritten Quartal war dem Institut ein Verlust von 285 Mio. Euro entstanden, während noch vor einem Jahr ein Gewinn von 339 Mio. Euro erzielt werden konnte. Dabei hat die Commerzbank im ersten Quertal ihre Prognose bereits zurückgenommen.

Nach Angaben von Bankchef Blessing sei aber trotzdem damit zu rechnen, dass am Jahresende unter dem Strich schwarze Zahlen stehen werden.
Unbeeindruckt von der Finanzkriese ist die Comdirect, Tochter der Commerzbank. Sie profitieren davon, dass Kunden ihr  Geld in Tagesgeld oder Festgeld anlegen. So kann die Comdirect diese liquiden Mittel gegen hohe Zinsen an andere Geldhäuser verleihen. Zudem ist das Geschäft mit Kreditkarten sehr lukrativ. Sie bietet ihren Kunden zum Beispiel eine kostenlose Kreditkarte oder auch eine Kreditkarte für Studenten an.

Die Sorgen der Bank-Manager, durch die Nutzung staatlicher Hilfen einen weiteren Kurs-Absturz zu verursachen, haben sich nicht bestätigt; im Gegenteil: Der Kurs der Commerzbank-Aktie stieg um fünf Prozent.

Bisher hatten nur die BayernLB und die Hypo Real Estate die Inanspruchnahme der Hilfen aus dem Rettungsfonds angekündigt. Nun folgten auch die HSH Nordbank, die staatliche Garantien in Höhe von 30 Milliarden Euro nutzen möchte und die WestLB.

Welche Banken durch die Finanzkrise weiter betroffen sind, zeigt die „Liste der betroffenen Banken durch die Finanzkrise“.



4 Responses to “Die Commerzbank nutzt den staatlichen Rettungsfonds”

  1. [...] und das irgendwas zwischen einer und zwei Milliarden Euro. Doch die Commerzbank hatte auch vor, die Dresdner Bank zu kaufen, und damit der Deutschen Bank, immer noch mit Abstand der Branchenführer auf dem Bankenmarkt in [...]

  2. Commerzbank-Chef rechtfertigt Bonus-Zahlung von bis zu 130 Millionen Euro…

    Die Branche bedient sich weiterhin reichlich trotz Finanzkrise. Obwohl im das Versagen der Banker mittlerweile bekannt ist und die eingegangen viel zu großen Risiken die Weltwirtschaft an den Rande des Kollaps brachten, halten die Banker weiter an…

  3. [...] hatte bereits im vergangenen Jahr den staatlichen Rettungsfonds in Anspruch genommen (unser Kreditkarten-Blog berichtete). Anfang des Jahres 2009 hatte die Bundesregierung eine weitere stille Einlage über 8,2 [...]

  4. [...] kann von einer Bank. Aufgrund der Finanzkrise war die Commerzbank bereits ins Trudeln geraten und musste mit staatlichen Hilfen gestützt werden. Die neuerlichen Nachrichten eignen sich deshalb nicht gerade dazu, neues Vertrauen zu [...]

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